Kim Christopher Birtel M.A.

Vier Jahre nach dem Beginn meiner Selbstständigkeit, übernahm ich 2007 kommissarisch das intern. Planning für einen großen Kunden bei der BBDO in Düsseldorf. Der Kunde hatte gerade einen neuen CMO bekommen und der stellte alles auf den Kopf. Er schrieb launige Präsentationen zum Thema „Managing Meaning“ und sein Fazit zum Zustand des Marketings beschrieb er mit Shakespeare “a walking shadow; a poor player, that struts and frets his hour upon the stage, and then is heard no more: a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing”.

 

Das Thema „Bedeutungskonstruktion“ beschäftigte mich bereits seit 2002, als ich im BBDO/ThinkTank mitgearbeitet hatte. Doch dieser CMO brachte das Thema erneut und mit Verve auf den Tisch. Folgerichtig veranlasste er Archetypen-Workshops für seine Marken und ich saß mitten drin. Da meine direkten Ansprechpartner auf Kunden- und Agenturseite mit diesem Angang latent überfordert waren, fing ich an zu forschen. Seitdem kann ich damit nicht mehr aufhören. Bis heute habe ich selber ca. 300 Archetypenbestimmungen vorgenommen und mein Modell dazu entwickelt. Die Suche nach Antworten auf die Frage, „warum braucht dich die Welt“ führte mich zum komplexen Thema „Traumabewältigung“, zu der Heldenreise nach Joseph Campbell, zur prozessorientierten Psychologie vom Deep Democray Institute, ließ mich in die Evolution des Menschen einsteigen und insbesondere in die Neurowissenschaft (Akademie für Neurowissenschaftliches Bildungsmanagement). Ausgangspunkt blieb aber immer die Überlegungen von C. G. Jung und seinem Verständnis von Archetypen.

 

Demnach sind Archetypen Mentoren des Lebens, die in unserem kollektiven Unbewussten angelegt sind. Jeder Mensch trägt diese Überlebensstrategien der Menschheit in sich und repräsentiert eine davon besonders stark und individuell. Jeder von uns trägt damit zum Überleben unserer Spezies bei und steht zugleich in dem „Dienst“ eines Archetypen. Nach über 10 Jahren Forschung und Entwicklung, sowie sehr vielen praxisrelevanten Anwendungen in Unternehmen, wie beispielsweise Jägermeister, Wormland, MeridienSpa, Impressionen, Hapag-Lloyd Cruises, Beiersdorf, Schülke, Gerhard Schubert (Maschinenbau), Bacardi, Brown-Forman (Jack Daniel´s), Beck´s, diversen Einzelarbeiten für Persönlichkeiten, VIP-Profilings für ein Medienunternehmen, Dozententätigkeiten, Seminaren und Eigenarbeiten, habe ich aus meinen zentralen Ergebnissen ein neues Führungskonzept destilliert.

 

Ein Versuchslabor ist u.a. der Surf Club Altona e.V., ein von mir gegründetes soziales Surfprojekt (seit 2012). Wir veranstalten regelmäßig kostenfreie Surfcamps für Kinder und Jugendliche, die unter besonderen Herausforderungen stehen. Ich führe die bis zu 12 Betreuer und 18 Kinder/Jugendliche nach den Prinzipien des Archetype-Leadership©. Die Resultate sind mehr als überraschend gut. Meiner Meinung nach braucht es gerade jetzt neue, sinnstiftende und kollaborative Führung, die vor allem wirksam ist. Nicht nur auf globaler Ebene versagen die alten Modelle. Auch in lokalen Organisationen lähmen sich Menschen gegenseitig. Es ist offensichtlich, dass wir Führung neu denken müssen.

 

Mein persönliches Credo:

"Wichtig ist, dass Du erkennst, dass immer dann, wenn Dein Denken an Grenzen

stößt, es hinter der Grenze weitergeht."